• Rom und CSI-Mitarbeiterin Raquel: Ein Eis ist ein willkommenenes Stück Alltag mitten im Krieg. Alle Fotos: privat (C4I Deutschland)
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Ariella und Rom: Zwischen Blumen und Raketen zum dritten Mal überlebt

editor - 30. März 2026

Der Aufenthalt unserer CSI-Mitarbeiterin Raquel Schwaerzler in Israel verläuft ganz anders als geplant. Das dichte Programm an Besuchen bei Projekten und Partnern ist seit Kriegsbeginn Makulatur. Allein dort zu sein unter ständigem Raketenalarm kostet enorm viel Kraft. Und doch gibt es wunderbare Begegnungen mit Menschen, die gerade jetzt wissen müssen, dass sie nicht allein sind. Menschen wie Ariella und ihr kleiner Sohn Rom.

Von Raquel Schwaerzler

Ariella ist Floristin in Tel Aviv. Seit 20 Jahren führt sie ihren eigenen kleinen Blumenladen. Ich habe sie ein paar Tage nach meiner Ankunft in Israel kennengelernt – auf der Suche nach einem Blumengeschäft, das uns für eine Purim-Feier mit 100 Holocaust-Überlebenden in Bat Yam beliefern könnte. Wenige Tage später begann der Krieg; alle Veranstaltungen wurden abgesagt.

Doch inzwischen hatten wir uns schon angefreundet und so treffe ich sie wieder – auch ohne Blumenbestellung –, um den Rest ihrer Geschichte zu hören. Denn Ariella hat bereits bittere Erfahrungen mit iranischen Raketen gemacht: Letztes Jahr wurde ihre Wohnung bei einem iranischen Raketenangriff während des Zwölf-Tage-Krieges zerstört. Danach lebte sie zweieinhalb Monate im Hotel; die Kosten wurden durch einen staatlichen Notfall-Fonds gedeckt.

Überlebt durch ein Wunder

„Ich saß gerade mit meinem achtjährigen Sohn Rom auf der Kellertreppe, als die Rakete einschlug“, erinnert sich Ariella. Ich habe eine Decke über uns gelegt, meinen Sohn an mich gedrückt und zu Gott gebetet. Irgendwie ist ein Wunder passiert und wir haben überlebt. Rom ist mein größtes Geschenk.“

Rom ist erst acht Jahre alt und hat schon mehr erlebt als viele Menschen in einem ganzen Leben. Am 7. Oktober 2023 war er gerade bei seiner Großmutter im Moschaw Yakhini am Gazastreifen, wo Ariella aufgewachsen ist. Dutzende Hamas-Terroristen drangen in die kleine Ortschaft ein und richteten ein Blutbad an; sieben Menschen wurden ermordet.

Blumenhändlerin Ariella und CSI-Mitarbeiterin Raquel: Manchmal ist das Beste, was man tun kann, einfach da zu sein.

Albträume vom 7. Oktober

„Rom war in einem Schutzraum bei seiner Oma und seinem Onkel“, berichtet Ariella. „Er hat die Terroristen gesehen. Sein 17-jähriger Cousin ist bis heute traumatisiert. Er musste mit anhören, wie sein Freund von den Terroristen erstochen wurde. Nach dem 7. Oktober hatte Rom lange große Angst. Nachts ist er immer wieder von Albträumen aufgewacht und schreiend durch die Wohnung gelaufen: ‘Mechablim! Terroristen!‘“

Rom geht gerade nicht zur Schule. Das macht ihn sehr traurig. Er vermisst seine Freunde. Und Fußball. Aber er liebt es zu malen. Also haben wir uns im Bunker hingesetzt und zusammen gezeichnet. Ich habe ihm später noch ein Skizzenbuch und Farbstifte geschenkt.

Eis zum Nachtisch und ein Lichtblick

Am Abend lade ich die beiden zum Essen ein. Viel Auswahl haben wir nicht – die schönen Restaurants sind geschlossen. Aber ein kleiner Asia-Imbiss tut es auch. Zum Nachtisch gibt es italienisches Gelato. Ein kleiner Moment von Normalität.

Zwei Tage später kann Ariella ihren Blumenladen wieder öffnen – immer auf Abruf bis zum nächsten Raketenalarm. Es freut mich zu sehen, wie viele Kunden schon wieder da sind. Zum Abschied bindet sie mir einen wunderschönen Blumenstrauß für meine Gastfamilie zum Schabbat-Abend. „Das ist das Mindeste, was ich dir zurückgeben kann“, sagt sie.

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