• Ira verteilt Essenspakete an Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Chernikov. Foto: C4I
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Im Gespräch über den anhaltenden Krieg in der Ukraine: „Unser Vertrauen und unsere Hoffnung ruhen auf Gott.“

editor - 28. Januar 2026
Es ist nun fast vier Jahre her, dass Russland in die Ukraine einmarschiert ist. Obwohl es in den letzten Monaten Verhandlungen zwischen beiden Ländern gab, scheint ein Ende des Krieges noch nicht in Sicht. Wir haben drei unserer Mitarbeiter von Christians for Israel (Christen an der Seite Israels) in der Ukraine vor Ort gefragt, wie sich der anhaltende Krieg auf ihr Leben auswirkt, wie sie die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine sehen und was ihre Hoffnungen für die Zukunft sind.
 Wie wirkt sich der Krieg auf euer Leben aus?

Ira: „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in einem Land leben würde, in dem Krieg herrscht. Ich habe oft in der Bibel gelesen, dass es Kriege geben wird, aber ich dachte immer, dass diese irgendwo anders stattfinden würden. Eines Tages wurden wir jedoch durch heftigen Beschuss und laute Explosionen geweckt und mussten erkennen, dass der Krieg hier bei uns stattfindet. Die ersten Tage waren chaotisch, beängstigend und stressig. Dennoch beschlossen wir ohne zu zögern in der Ukraine zu bleiben, um den Menschen und der jüdischen Gemeinde gerade in diesen schwierigen Zeiten zu helfen.

Aus Sicherheitsgründen mussten wir unsere Kinder nach Belgien schicken. Das war für mich das Schwierigste. Ich erinnere mich, wie ich sie an der Grenze umarmte, ohne zu wissen, wann ich sie wiedersehen würde. Ich werde nie den ängstlichen Blick meiner jüngsten Tochter von acht Jahren vergessen, als sie mit einer großen Menge von Flüchtlingen mitlaufen musste und ihre Eltern zurückließ.“

Koen (Iras Ehemann): „Der Moment, als unsere drei Kinder die Grenze überqueren mussten, hat sich ebenfalls in mein Gedächtnis eingebrannt. Es war ein sehr emotionaler Moment. Was einem danach alles durch den Kopf geht, ist schwer zu beschreiben.

Was unsere Arbeit in der Ukraine für Christen an der Seite Israels angeht, waren wir gut vorbereitet. Wir verfügten über eine eingerichtete Unterkunft für 300 Personen, einen großen Generator, eine Küche, ein medizinisches Zentrum, Tausende Kilogramm Lebensmittel und Tausende Liter Diesel für die Kleinbusse sowie eine Gruppe von Freiwilligen. Gleichzeitig wusste ich, als der Krieg ausbrach, dass unsere Arbeit in eine völlig andere Phase eintreten würde.“

Nataliya: „Am Anfang war es ehrlich gesagt schwer zu glauben, was geschah. Ich hatte große Angst, aber was uns aufrecht hielt, war der Glaube, dass wir nicht allein waren. Jetzt, während des fast täglichen Beschusses, beginne ich mich fast daran zu gewöhnen, so seltsam das auch klingen mag. Gleichzeitig merke ich, dass der Verlust von Freunden und Bekannten und die plötzlichen Explosionen einen großen Einfluss auf meine Gesundheit haben. Wenn der Krieg jemals zu Ende geht, wird es nicht mehr so sein wie früher, und das müssen wir akzeptieren.“

Wo findet ihr derzeit Kraft und Hoffnung?

Ira: „In dieser schwierigen Zeit suchen die Menschen verzweifelt nach Hoffnung, Vertrauen und Frieden. Manche setzen ihre Hoffnung auf Trump, andere auf Europa, die NATO oder auf schwere Waffen und vergessen dabei, dass unser Vertrauen und unsere Hoffnung, selbst die der Armee, auf Gott gerichtet sein müssen. Er bestimmt den Ausgang von Schlachten und Er ist die Kraft der Armee. Wo ich meine Kraft und Hoffnung finde? Ich möchte mit den Worten eines bekannten Liedes antworten:

Du bist meine einzige Hoffnung

Jesus, du bist meine einzige Hoffnung

Von früh morgens bis spät abends,

Du bist mein einziger Friede, Jesus

Du bist meine einzige Freude, Jesus

Du bist alles, was ich brauche

Von früh morgens bis spät abends

Koen: „Unsere Arbeit in der Ukraine war nie einfach, aber wir fühlen uns durch die Bibel gestärkt. In Gottes Wort finden wir so viel Ermutigung, gerade für schwierige Zeiten. Man weiß, dass man bei seiner Arbeit regelmäßig mit Hindernissen konfrontiert wird. Gleichzeitig spüren wir, dass für uns gebetet wird. Ich sage immer: ‚Eure Gebete sind der Treibstoff für unsere Arbeit.‘“

Nataliya: „Nur in Gott findet meine Seele Ruhe. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich regelmäßig außerhalb von Kiew neue Energie tanken muss, um ruhig schlafen zu können. Auch in der Kirche und bei Christen an der Seite Israels finde ich Unterstützung. Wie gut ist es, als Brüder und Schwestern zusammen zu sein, besonders wenn sie denselben Geist und dieselbe Ausrichtung teilen.“

Natalja umarmt zwei ukrainische Frauen, die nach Israel auswandern (Alijah machen). Foto: Svetlana

Was motiviert euch, trotz der Herausforderungen des Krieges weiterhin für Christen an der Seite Israels zu arbeiten?

Ira: „Meine wichtigste Motivation ist, dass ich eine Berufung habe, dem Allmächtigen und anderen zu dienen und Sinn in dem zu finden, was wir tun. Wir leben in einer besonderen Zeit, sind an einer ganz besonderen Arbeit für Israel und das jüdische Volk beteiligt und sehen mit eigenen Augen, wie sich die Prophezeiung erfüllt. Inmitten all der Unsicherheit ist die Unterstützung, die wir Menschen, die nach Israel einwandern, und der jüdischen Gemeinschaft generell bieten – sei es in Form von Transport, Lebensmittelpaketen oder anderen Hilfsgütern – ein echter Rettungsanker. Sie berührt Leben und gibt ein Gefühl der Hoffnung. Ich bin sicher, dass sie das nie vergessen werden. Ich glaube, dass wir in diesen dunklen Tagen mehr denn je Gottes Hand und seine Wunder sehen. Meine Motivation schöpfe ich auch aus Gebet und Anbetung, um Hoffnung und Kraft zu bewahren.”

Koen: „Dem stimme ich zu. Es ist wichtig, auch unter schwierigen Umständen treu zu bleiben. „Tröstet, tröstet mein Volk“ gilt nicht nur in friedlichen Zeiten, sondern Trost ist auch – oder vielleicht gerade – in Kriegszeiten notwendig. Zu Beginn des Krieges haben wir allen Mitarbeitern und Freiwilligen gesagt, dass sie selbst entscheiden können, ob sie bleiben oder fliehen wollen. Wir werden niemanden für seine Entscheidung verurteilen. Aber wir bleiben an unserem Platz, denn unsere Aufgabe geht weiter: als Nichtjuden bei der Rückkehr der Juden in das Gelobte Land zu helfen. Als ich zu Beginn des Krieges mit meinem Vater telefonierte, sagte er auch: „Ein Soldat muss an seinem Platz bleiben.“

Nataliya: „Ich selbst spreche nicht von Arbeit, denn ich denke, dass ‚Dienst‘ ein besseres Wort für unser Team ist. Es gibt ein inneres Vertrauen, das der Herr uns geschenkt hat, um in dieser Zeit für sein Volk zu sorgen.“

Kriegsschäden in Odessa. Foto: Anemone Rüger

Was haltet ihr von den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine?

Koen: „Ich bin eher pessimistisch als optimistisch. Damit ist alles gesagt. Solange Russland nicht bekommt, was es will, wird der Krieg meiner Meinung nach weitergehen. Wir sehen, dass trotz der Verhandlungen die Angriffe aus Russland nur noch zunehmen, insbesondere auf die ohnehin schon geschwächte Infrastruktur.“

Nataliya: „Um ehrlich zu sein, mische ich mich nicht in die Politik ein. Ich vertraue Politikern nicht und habe auch kaum Zeit, die Ereignisse zu verfolgen. Informationen sind heutzutage oft die unzuverlässigste Quelle. Ich glaube nur, dass der allmächtige Gott uns helfen wird.“

Glaubt ihr, dass die Verhandlungen zu Frieden führen können?

Ira: „Ich würde es gerne glauben, aber wie die Geschichte zeigt, wird es wahrscheinlich nur eine vorübergehende Pause und eine Vorbereitung auf eine neue Invasion sein. Die gute Nachricht ist, dass Gott alles unter Kontrolle hat.“

Koen: „Ich glaube, dass die Ukraine keine andere Wahl hat, als den Forderungen Russlands nachzugeben.“

Nataliya: „Glücklicherweise gibt es in der Geschichte Beispiele für friedliche Lösungen von Kriegen durch Verhandlungen. Gleichzeitig ist der Herr der Einzige, der Kriegen ein Ende setzen kann. Meiner Meinung nach ist es notwendig, dass die Menschen all ihre Sünden bereuen.“

Koen inmitten einer Gruppe von jüdischen Ukrainern, die Alijah machen. Foto: C4I

Was sind eure Hoffnungen für die Zukunft der Ukraine?

Ira: „Es gibt ein Sprichwort: ‚Ein Pessimist ist ein gut informierter Realist‘. Dennoch möchte ich optimistisch in die Zukunft der Ukraine blicken. Es ist mein Land, aus dem meine Eltern und Vorfahren stammen, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Im Moment blutet mein Herz für die Ukraine. Ich teile den Schmerz und das Leid meines Volkes, aber ich bete auch um Reue und Heilung. Dass der Herr das Land segnen und beschützen möge, dass Er Sein Angesicht der Ukraine zuwende und ihr Frieden schenke.“

Koen: „Wir beten weiterhin für ein Ende des Krieges, aber noch mehr dafür, dass während des Krieges viele Menschen ihre Hoffnung in Gott finden, indem sie die Bibel lesen und darin den Plan entdecken, den der Herr für alle hat, auch für Israel, damit es der Ukraine gut geht.“

Nataliya: „Wenn man mit seinen natürlichen Augen auf das Geschehen schaut, schwindet die Hoffnung. Aber wir kennen den Verfasser der Geschichte und das Ende des Buches der Bücher. ‚Gott, hilf uns, den Glauben zu bewahren!’”

Das Interview führte Renske (Redaktionsteam Christians for Israel – Niederlande) mit Mitarbeitern von Christians for Israel – Ukraine.

In der Ukraine unterstützen wir verschiedene Projekte, darunter „Patenschaften für Holocaust-Überlebende in der Ukraine“ (30 Franken im Monat), „Lebensmittelpakete“ (15 Franken im Monat) und „Alijah“.
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