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Jacob Keidar israelischer Botschafter in Bern, seit 4 Jahren in der Schweiz.

editor - 28. Juli 2020

Ein Interview für «israelaktuell.ch» von Theodor Zingg vom 17. Juni 2020

Sehr geehrter Herr Botschafter, kannten Sie die Schweiz, bevor Sie 2016 Ihr Amt antraten?

Ja, ich habe bereits zuvor im Rahmen meiner Arbeit als Diplomat Genf und Bern besucht. Den allerersten Eindruck von der Schweiz erhielt ich im Jahre 1972. Als junger Tourist durchquerte ich die Schweiz von Zürich nach Lugano und habe dieses wunderbare Land seither nicht mehr vergessen.

In den 4 Jahren in Bern haben Sie sicher unser Land kennen gelernt. Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Am 1. Juli sind es exakt vier Jahre. Tatsächlich sind es viele Dinge, die mich beeindruckt haben. Zunächst einmal war ich beeindruckt und positiv überrascht von der hohen Dichte des Austauschs in Kultur, Wissenschaft und Handel zwischen der Schweiz und Israel. Auch ist jeder Ort, den ich besuche, einfach sehr schön. Die Leute sind freundlich und offen – auch hochrangige Personen sind sehr zugänglich.

Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten von Ihrem Land Israel und der Schweiz?

Die Schweiz und Israel haben viele Gemeinsamkeiten – eine kleine Fläche, etwa die gleiche Bevölkerungsgrösse, eine vielfältige Gesellschaft mit verschiedenen Sprachen. Unsere beiden Länder sind innovativ und modern. Wir teilen die Werte von Freiheit und Demokratie. Beide Länder verfügen über spärliche natürliche Ressourcen und sind auf den Verstand und die harte Arbeit ihrer Bürger angewiesen. Die Schweiz und Israel können sich auf ihre Stärke als Drehscheibe für hochqualifizierte Fachkräfte und exzellente wissenschaftliche Forschung verlassen.

Durch die lange Dauer der Regierungsbildung in Israel und anschliessender Coronakrise waren Sie in Ihrer Arbeit wahrscheinlich stark beeinträchtigt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Es war eine sehr schwierige Zeit. Die Botschaft musste viele Aktivitäten absagen, beispielsweise Besuche aus Israel, Vorträge und Delegationensreisen wurden verschoben oder abgesagt. Unsere Feier zum 72. Unabhängigkeitstag hat auf Zoom stattgefunden – und war zu unserer Überraschung sehr erfolgreich. Das Personal der Botschaft wurde in Teams aufgeteilt und arbeitete abwechselnd aus dem Home Office.

Auch im Privatleben gab es Einschränkungen – leider mussten unsere Kinder Ihren geplanten Besuch bei uns in der Schweiz absagen und auch meine Frau und ich mussten unsere Reise nach Israel verschieben und haben nun die Familie und Freunde dort sehr lange nicht mehr gesehen.

Die langwierige Regierungsbildung hat ausserdem das Budget der Botschaft beeinträchtigt und offizielle Besuche mussten verschoben werden.

Wir hören viel von Israels Forschern und Erfindungen im High Tech Bereich. Können Sie uns etwas sagen, wie weit Israel im Kampf gegen Covid-19 ist?

Die Zahl von schwer erkrankten und hospitalisierten Patienten sowie der Todesfälle war in Israel im internationalen Vergleich tief. Dies dank der strengen Massnahmen, welche die Regierung bereits früh ergriffen hat. In den letzten Wochen wurden schrittweise einige Regulierungen gelockert und obwohl die Zahlen immer noch tief sind, gab es einen leichten Anstieg. Deshalb werden nun Massnahmen ergriffen, um eine zweite Welle zu verhindern.

Israelische Forschungsinstitute haben schnell grosse Fortschritte gemacht und arbeiten auf Hochtouren an einem Impfstoff und an Medikamenten, um Corona-Patienten zu behandeln – teilweise auch in Zusammenarbeit mit Schweizer Universitäten. Ausserdem wurden rasch hilfreiche Technologien entwickelt; beispielsweise den «Breathalyzer», welcher in weniger als einer Minute auf den Virus testet und an Flughäfen eingesetzt werden kann oder den «AmboVent», ein sehr günstiges und schnell herstellbares Beatmungsgerät inspiriert von der manuellen Beatmung in einer Ambulanz.

Neben dem Coronavirus verbreitet sich in letzter Zeit leider auch ein anderes Virus sehr schnell in der Welt. Der Virus des Hasses, der Antisemitismus in seinen vielen Formen. Wie erklären Sie diesen Trend und wie können wir ihn bekämpfen?

Ich kann mir den Hass und den Antisemitismus nicht erklären, vorallem nicht in Europa 75 Jahre nach dem Holocaust. Die Massnahmen gegen diese Entwicklung sollten eine Kombination aus Bildung und strenger Strafverfolgung beinhalten.

In diesem Zusammenhang begrüsst Israel die Mitgliedschaft der Schweiz in der International Holocaust Remembrance Alliance IHRA. Diese internationale Allianz zum Gedenken an den Holocaust vereint Regierungen und Experten, um Bildung, Forschung und die Erinnerung an den Holocaust zu fördern. Vor zwei Jahren hatte die Schweiz den Vorsitz der IHRA inne und hat sich stark engagiert, um die Ziele der Allianz voranzubringen. Wir hoffen, dass sie wie viele ihrer Nachbarstaaten in Zukunft auch die Antisemitismusdefinition der IHRA adoptieren wird.

Die EU bekämpft die Annexionspläne und den Friedensplan der USA und verpasst es damit, den ganzen Friedensprozess von einer neuen Seite anzugehen. Wie stellt sich Israel zu dieser Situation?

Israel sehnt sich seit seiner Gründung nach Frieden mit seinen palästinensischen Nachbarn und der arabischen Welt. Dieser Deal schafft die richtige Balance zwischen Israels lebenswichtigen Sicherheits- und nationalen Interessen und dem Streben der Palästinenser nach Selbstbestimmung. Er geht die Grundursache des Konflikts an, indem er darauf besteht, dass die Palästinenser Israel endlich als jüdischen Staat anerkennen müssen. Darüber hinaus bietet der 50 Milliarden US-Dollar schwere Investitionsplan den Palästinensern eine Zukunft in Wohlstand.

Israel hat sich bereit erklärt, mit den Palästinensern auf der Grundlage dieses Friedensplans Verhandlungen zu führen. Wir haben hohe Erwartungen und hoffen, dass die internationale Gemeinschaft den Plan unterstützen und dazu beitragen wird, die palästinensische Führung wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Wir hoffen, dass sich die Palästinenser diese Vision des Friedens zu eigen machen. Dieses Abkommen ist die Chance des Jahrhunderts; Israel wird diese Chance nicht verpassen.

Leider stellt sich auch die Schweiz, trotz ihrer Neutralität, bei Abstimmungen in der UNO oder anderen Gremien meistens gegen Israel. Was sind wohl die Gründe dieser Neutralitätsverletzungen?

Zu den Gründen müssten Sie die Schweizer Regierung fragen. Ich kann Ihnen aber die Position Israels diesbezüglich erläutern: Wir wenden uns entschieden gegen die Ausgrenzung Israels durch die UNO und wünschen uns, dass die Schweiz diese nicht weiter unterstützt. Jahr für Jahr verabschiedet die Generalversammlung mehr Resolutionen gegen das demokratische Israel als gegen alle anderen 192 Mitgliedsländer zusammengenommen. Vorgebracht werden diese Resolutionen von Staaten wie Nordkorea, Venezuela und anderen, die ganz bestimmt keine Vorbilder in Sachen Demokratie und Menschenrechte sind. Auch im Menschenrechtsrat in Genf ist die systematische Voreingenommenheit gegenüber Israel offensichtlich. Jede Session folgt einer ständigen Agenda: Den palästinensischen Gebieten ist dabei ein eigener Traktandenpunkt gewidmet (7.), während kritische Menschenrechtssituationen im grossen Rest der Welt in einem anderen behandelt werden (4.). Man kann Israel kritisieren, aber bitte mit dem gleichen Massstab, mit dem andere Länder gemessen werden.

Als Christen an der Seite Israels glauben wir an die Prophetien der Bibel. Viele sind schon erfüllt, andere werden es noch werden. Unsere wesentlichen Ziele sind:

Vertiefung des biblischen Verständnisses von Israel in der Christenheit.

Bekämpfung von Antisemitismus und Antizionismus in Kirche und Gesellschaft.

Geistliche und praktische Solidarität mit Israel.

 Herr Botschafter Keidar wir danken Ihnen ganz herzlich für dieses Interview und wünschen Ihnen für Ihre Arbeit Gottes Segen. Wir sind gespannt, was Sie unseren Lesern als Schlusspunkt noch mitgeben!

 Ich möchte diese Möglichkeit wahrnehmen, um Ihnen und Ihren Lesern herzlich für Ihre Freundschaft und Unterstützung für Israel zu danken. Es war mir ein Vergnügen, viele von unseren christlichen Freunden in der Schweiz zu treffen und mich mit Ihnen auszutauschen. Es war sicherlich eine meiner positivsten Erfahrungen in der Schweiz. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie wohlauf und gesund sind.

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Jacob Keidar, Israelischer Botschafter, seit 4 Jahren in der Schweiz

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